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Inge Meysel
30. Mai 1910  –  10. Juli 2004
Die "Mutter der Nation", Inge Meysel, verstarb nach einem langen und erfüllten Leben am 10. Juli 2004 im Alter von 94 Jahren in Hamburg an Herzstillstand.
Inge Meysel litt seit 2003 an Altersdemenz und spielte trotzdem 2004 in der Folge "Mein letzter Wille" von Polizeiruf 110 mit, wo sie seit ihrem 70. Lebensjahr alle fünf Jahre eindrucksvoll die Oma Kampnagel verkör-perte. Einen Monat vor ihrem Tod zog sie sich bei einem Sturz einen komplizierten Trümmerbruch des rechten  Oberschenkels zu,  der  in einer   Notoperation

mit einem Hüftgelenksmarknagel stabilisiert werden musste. Die Schauspielerin wur-de am 23. Juli 2004 auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Die Urne liegt im Grab neben ihrem verstorbenen Ehemann John Olden.

Die Tochter eines jüdischen Kaufmanns begann ihre Theaterkarriere 1930 in Zwickau, Berlin und Leipzig. Zum ersten Mal stand sie im Alter von drei Jahren in der Oper "Hänsel und Gretel" auf der Bühne. In der Zeit des Nationalsozialismus hatte sie zwölf Jahre Auftrittsverbot. 1945 kam sie ans Thalia Theater in Hamburg. Die Rolle, die ihr 1959 den Beinamen "Mutter der Nation" bescherte, war das Berliner Volksstück "Fenster zum Flur", in dem sie die Rolle der resoluten Portierfrau Anni Wiesner spielte.

Ab den 60er Jahren war Inge Meysel dann in den Hauptrollen vieler großer deutscher TV-Produktionen nicht mehr fortzudenken. So brillierte sie als Käthe Scholz in der Fernseh-Serie "Die Unverbesserlichen" (1965 - 1971). Sie erhielt etliche Aus-zeichnungen, darunter 9x Otto, Publikumspreis der Jugendzeitschrift BRAVO, 6x Bambi, Medienpreis der Hubert Burda Medien, die Goldene Kamera (1965), das Silbernes Blatt der Dramatiker-Union (1985), die Hamburger-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1990), die Ernst-Reuter-Plakette der Stadt Berlin (1991) und den Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises (2000). Das Bundesverdienstkreuz (1981) lehnte sie mit der Begründung ab, "da es keinen Orden wert sei, wenn man sein Leben anständig gelebt hat..."

In einem ihrer letzten TV-Filme, "Das vergessene Leben" (1997), überzeugt sie in der Rolle als geistig verwirrte Greisin Sophia so nachhaltig, dass ihr zwei Tage nach der Erstausstrahlung im Januar 1999 der Goldene Gong verliehen wurde.

Bis ins hohe Alter zeigte sich die Schauspielerin auch im realen Leben als un-erschrockene Kämpfernatur. Die 'freiwillig kinderlose' Schauspielerin setzte sich für die legale Abtreibung ein, gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Bezie-hungen und auch für den Kampf gegen Aids, den sie durch mehrere Auftritte bei Benefizveranstaltungen förderte.

1991 schrieb Inge Mysel ihre Biografie "Frei heraus – mein Leben".

Gegangen, aber unvergessen...